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Krankenkassenprämien für Ungeimpfte könnten steigenEine Corona-Impfpflicht gibt es in der Schweiz noch nicht. Mit einer sogenannten Lenkungsabgabe, wie sie der Schweizer Ökonom Bruno Frey vorschlägt, könnte jedoch künftig auf Ungeimpfte mehr Druck ausgeübt werden. Dies könnte in Form einer höheren Krankenkassenprämie erfolgen. Der Vorschlag mag zwar sinnvoll erscheinen, doch könnten sich bei der praktischen Umsetzung Probleme ergeben.

Aus kontroversen Diskussionen zum Thema Corona-Impfpflicht halten sich Ökonomen zumeist heraus. Sie wollen die Ungeimpften nicht als böse Menschen darstellen, doch die Impfverweigerung könnte zu höheren Kosten für die Gesellschaft führen. Um den Impfgegnern als Verursacher die Kosten aufzulegen, könnte nach Ansicht des Schweizer Wirtschaftsprofessors und Direktors des Forschungszentrums Crema in Zürich, Bruno Frey, eine Lenkungsabgabe für Ungeimpfte eingeführt werden. Sie wäre vergleichbar mit der CO2-Abgabe in der Klimapolitik. Die Impfgegner könnten die Lenkungsabgabe in Form einer Prämie für eine Zusatzversicherung in der Krankenkasse tragen.

Corona-Solidaritätsbeitrag für alle Versicherten?

Ein ähnlicher Vorschlag wurde auf Twitter vom Mitglied der wissenschaftlichen Begleitgruppe des Bundes und Wirtschaftsprofessor aus Lausanne, Marius Brülhart, geäussert. Er denkt an einen Corona-Solidaritätsbeitrag, der grundsätzlich für alle Versicherten erhoben wird. Durch eine Impfung könnten sich die Versicherten von diesem Beitrag befreien. Eine finanzielle Steuerung hält auch der Berner Volkswirtschaftsprofessor Aymo Brunetti für möglich.

Keine Einigung über die Höhe der Zusatzabgabe

Noch nicht schlüssig sind sich die Wirtschaftsexperten darüber, wie hoch die Zusatzabgabe ausfallen sollte. Den durchschnittlichen Spitalkosten für Corona-Patienten 2020 zufolge könnten die Einsparungen pro Impfung bei 150 Franken liegen. Bei einer Doppel-Impfung wären das 300 Franken. Auch bei der Pandemiekontrolle hätte eine Impfung einen hohen potenziellen Nutzen. Teure Zwangsschliessungen könnten mit einer Million zusätzlichen Impfungen vermieden werden. Der gesamte Nutzen für die Gesellschaft könnte pro Impfung bei 300 Franken liegen, wenn die Impfung für die Pandemiekontrolle ungefähr den gleichen Nutzen hat wie die direkte Einsparung in den Spitälern.

Subventionen für Geimpfte?

Die Frage drängt sich auf, ob Ungeimpfte mit einer Zusatzabgabe belastet oder Geimpfte subventioniert werden sollten. Politisch einfacher sind Subventionen für Geimpfte. Bereits im Oktober 2021 schlug der Bundesrat einen Impfgutschein von 50 Franken als finanziellen Anreiz vor. Diese Idee könnte jedoch kontraproduktiv sein, wenn eine finanzielle Motivation im Vordergrund steht, um das gewünschte Verhalten zu fördern. Die innere Motivation könnte dadurch verdrängt werden. Ein Impfbonus könnte die Menschen zu der Überzeugung führen, dass eine Impfung schlecht sein könnte, aber mit einem finanziellen Anreiz attraktiv gemacht werden soll. Wie eine Studie zeigte, hatten finanzielle Anreize für eine Impfung in Schweden eine positive Wirkung, während sie in den USA keine Beachtung fanden.

Probleme in der Politik bei der Umsetzung

Eine Lenkungsabgabe für Ungeimpfte könnte wirksamer als eine finanzielle Belohnung für Geimpfte sein. Schnell wird Kritik daran geübt, dass die Ärmeren stärker als die Reichen davon betroffen wären. Zusatzabgaben sind unpopulär. Differenzierte Krankenkassenprämien als Impfanreize wären zwar administrativ möglich, aber so könnten auch diejenigen, die ungesund leben, mit höheren Prämien belegt werden, beispielsweise Menschen mit höherem Alkoholkonsum oder Raucher. Als Sonderposten würde die Zusatzabgabe nicht unbedingt auffallen und ihre psychologische Wirkung verfehlen. Die Idee einer finanziellen Steuerung ist grundsätzlich gut, doch könnte die Umsetzung auch 2022 scheitern.

Quellen:

https://www.nzz.ch/wirtschaft/lenkungsabgabe-fuer-ungeimpfte-elegant-aber-politisch-giftig-ld.1660399

https://twitter.com/marius_brulhart?lang=de

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